Petanque

Ziehst du oder zeigst du?

„Tu tires* ou tu pointes*?“ dieser Satz ist durch einen Brauch berühmt geworden, der den Marseillern sehr am Herzen liegt: Pétanque. Dieses in der Provence entstandene Spiel vereint das ganze Jahr über alle Generationen auf den verschiedenen Plätzen in Marseille, der Region und sogar darüber hinaus.

Pétanque, eine provenzalische Tradition

Der Tradition nach gibt es in Marseille so viele Bouleplätze wie Dörfer. Von den Hügeln der Treille bis zu den Stränden des Prado, vom Hafen von Estaque bis zum Hafen von Les Goudes hat Pétanque für niemanden ein Geheimnis. Die Marseiller lieben es besonders, ein paar Kugeln zu schlagen, in diesem Sport, in dem die 13 wie ein Symbol für den Sieg steht.

Pétanque oder „Jeu des pieds tanqués“, wie der provenzalische Begriff wörtlich übersetzt heißt, ist weit mehr als ein einfacher Brauch, denn bis heute ist es die elftgrößte Sportart Frankreichs, was die Zahl der Lizenznehmer angeht. Von den Jüngsten bis zu den Ältesten, gelegentlich oder häufiger, wird dieses Spiel gerne gespielt, da es vor allem Werte wie Austausch und Respekt vermittelt.

Pétanque hat zwar internationale Bedeutung erlangt, da jedes Jahr Turniere wie „La Marseillaise“ oder „Le Provençal 13“ veranstaltet werden, aber es ist auch ein Sport, der im familiären Rahmen bei einem guten Essen und einem guten Aperitif (oder Aperitif) ausgeübt wird.

Das sollten Sie wissen, bevor Sie eine Partie Pétanque spielen!

Wie bei jedem Marseiller Erbe, das etwas auf sich hält, ist die Metapher auch beim Pétanque sehr präsent. Die Augen sind gleichermaßen auf den Sieger gerichtet, der 13 Punkte erreicht, wie auf denjenigen, der im Laufe eines Spiels keinen einzigen Punkt erzielt. In der Umgangssprache wird er als „Fanny*“ bezeichnet. Jeder Bouleplatz, egal wie groß er ist oder wo er sich in der Stadt befindet, hat eine Statuette, die eine mehr oder weniger plumpe frivole Dame darstellt, die ihr süßes Hinterteil präsentiert. Es ist eine Tradition, dass diejenigen, deren Punktzahl auf null geblieben ist, ihr den Hintern küssen müssen. Marcel Pagnol beschreibt die Szene in seinem Buch „Zeit der Liebe“ auf ideale Weise.

Ob man nun „carreau*“ auf „carreau“ folgen lässt oder „Fanny küssen“ muss, Pétanque ist in erster Linie ein Vergnügen, bei dem das Zusammenkommen und das Zusammenleben wichtiger sind als das Ergebnis.

Schießen > Die eigene Kugel mit Kraft in Richtung einer gegnerischen Kugel zu werfen, um sie vom Cochonnet wegzuziehen.
Zielen > Die Kugel mit Präzision in Richtung des Cochonnets werfen, um so nah wie möglich am Cochonnet zu sein.
Füße > Beim Werfen müssen die Füße in einem auf dem Boden markierten Kreis zusammenstehen.
Carreau > Die vom Schützen geworfene Kugel nimmt den Platz der Kugel ein, die sie gerade getroffen hat.
Fanny > Ein weibliches Postament, mit dem man diejenigen, die keine Punkte erzielt haben, milde lächerlich machen will; man sagt dann von der Person, dass sie „Fanny gemacht hat“.