©

Massimo Municchi

Marius und Jeannette

Eine Liebesgeschichte mit dem Duft von Marseille

Marius et Jeannette ist ein großer Publikumserfolg und sicherlich das bekannteste Werk des Filmemachers Robert Guédiguian. Der 1997 erschienene und von der Kritik hochgelobte Film verbindet Zärtlichkeit, Humor und soziales Engagement und gibt den Menschen in den ärmsten Verhältnissen eine Stimme. Er ist weit mehr als eine einfache Liebesgeschichte, sondern drückt auch eine echte Erklärung an Marseille aus, genauer gesagt an L’Estaque, ein Viertel, das ihm sehr am Herzen liegt.

Eine intime Erzählung im Herzen des Alltags in Marseille.

In den sonnigen Gassen von L‘Estaque, einem ehemaligen Fischerdorf, das heute ein Viertel am Stadtrand von Marseille ist, begegnen sich zwei vom Leben gebeutelte Charaktere und lernen sich kennen und lieben. Marius, ein diskreter und einsamer Mann, wacht über eine ehemalige Zementfabrik, die heute stillgelegt ist, während Jeannette, eine Kassiererin mit starkem Charakter, ihre beiden Kinder in einem bescheidenen Gebäude des Viertels allein aufzieht. Ein harmloser Austausch zwischen den beiden wird zum Ausgangspunkt einer unerwarteten Begegnung.

Marius und Jeannette entfaltet eine zarte und schlichte Romanze, die aus zögernden Blicken, einfachen Gesten und rührenden Ungeschicklichkeiten besteht. Der Film nimmt sich die Zeit, eine zerbrechliche Verbindung vor dem Hintergrund einer aufkeimenden Komplizenschaft in einer bescheidenen, aber von menschlicher Wärme geprägten Alltagsumgebung aufzubauen. Durch diese scheinbar harmlose Handlung macht Robert Guédiguian die Schönheit gewöhnlicher Emotionen und die Bedeutung des Kollektivs sichtbar.

Diese dramatische Komödie, die für ihre Aufrichtigkeit und ihren zutiefst menschlichen Ton gelobt wurde, skizziert mit Feingefühl die Triebfedern der Solidarität, des Respekts und der Würde. Ohne jemals in übertriebene Sentimentalität zu verfallen, spricht Marius und Jeannette mit Leichtigkeit wesentliche Themen an: Vertrauen, Wiederaufbau des Selbst und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dieses leuchtende, in der realen Welt verankerte Werk wird von treffenden Dialogen und einer Galerie von ebenso liebenswerten wie wahrhaftigen Charakteren getragen: Es verkörpert und fasst allein den Geist des Kinos von Robert Guédiguian zusammen.

L’Estaque, lebendige Kulisse für einen engagierten Film

Bei Robert Guédiguian ist Marseille ein eigenständiger Charakter und steht neben Ariane Ascaride und Gérard Meylan an der Spitze der Besetzung. In Marius et Jeannette verkörpert der Stadtteil Estaque diese lebendige Präsenz und übernimmt ganz natürlich die ihm zugedachte Rolle. Im Nordwesten von Marseille, zwischen den Hügeln des Rove-Massivs und dem Mittelmeer, bietet dieses beliebte Viertel eine authentische und helle Kulisse, die weit entfernt von touristischen Klischees ist.

Der Film schöpft hier einen Großteil seines Realismus und seiner Poesie: Die engen Gassen, die Treppen, die pastellfarbenen Fassaden, die Geräusche des Hafens, die spielenden Kinder und die singenden Akzente – jedes Element trägt dazu bei, eine warme und zutiefst menschliche Atmosphäre zu schaffen. Weit entfernt von Studios und künstlichen Rekonstruktionen filmt Guédiguian L’Estaque, wie man ein geliebtes Gesicht filmt, mit Zärtlichkeit und Treue, ohne Make-up oder Kunstgriffe.

Für den Regisseur, der in der Stadt an der Seine aufgewachsen ist, ist es auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Indem er an den Orten seiner Kindheit dreht, gibt er auf ehrliche Weise ein kollektives Gedächtnis wieder: das der Bewohner, der Solidarität im Viertel, der sozialen Kämpfe und der einfachen Freuden des Alltags. L’Estaque wird so zu mehr als einem Drehort: zu einem Symbol der Verbundenheit, des Widerstands und der Identität Marseilles, die gleichzeitig stolz, bescheiden und zutiefst menschlich ist.

In den Fußstapfen von Marius und Jeannette: Besuchen Sie die Drehorte.

Sie können das Erlebnis von Marius und Jeannette verlängern, indem Sie sich auf Entdeckungsreise nach L’Estaque begeben, diesem authentischen Viertel im Norden von Marseille, das seine volkstümliche Seele und sein dörfliches Flair bewahrt hat. Ein Spaziergang zu diesen symbolträchtigen Orten des Films ermöglicht es, die von Guédiguian eingefangene warme und volkstümliche Atmosphäre wiederzufinden.

Das Gelände der ehemaligen Zementfabrik Lafarge erinnert an das industrielle Erbe der Stadt Phokéenne. Obwohl sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, bleibt sie eine starke Landmarke, ein Symbol für das lokale Arbeitergedächtnis, und kann von den Anhöhen des Viertels aus gesehen werden.

Die Strandpromenade mit ihren Booten, die im Rhythmus der Wellen tanzen, und den Buden mit Panisses und Chichis vermittelt einen Hauch von ewigem Frühling. Hier genießt man die gleichen Spezialitäten wie die Figuren und genießt dabei ein einzigartiges Panorama auf die Reede und die Inseln von Marseille.

Die Gassen von L’Estaque, zwischen steilen Treppen, schattigen Plätzen und bunten Häusern, sind den 1997 gedrehten Szenen des Films treu geblieben. Dieses Viertel, dessen historischer Kern sich kaum verändert hat, verkörpert weiterhin die volkstümliche und solidarische Seele, die Guédiguian durch seine Kamera immer wieder gefeiert hat. Ein Besuch des Viertels ist mehr als nur eine einfache Entdeckung der Drehorte von Marius und Jeannette. Er enthüllt Ihnen die Geheimnisse eines leuchtenden Ortes, der schon viele Maler glücklich gemacht hat, bevor er einen großen Filmemacher in seinen Bann zog.

Unsere Besuche in L'Estaque

Melde dich für unseren Newsletter an

Bleib in Verbindung und entdecke die Nachrichten aus Marseille