Die Kathedralen
Die alte Kathedrale La Major (seit 1840 unter Denkmalschutz)
Seit dem 5. Jahrhundert standen an dieser Stelle verschiedene Bauwerke. Die heutige Kirche stammt allerdings aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Sie ist ein sehr schönes Beispiel der romanisch-provenzalischen Architektur und wurde mit dem rosafarbenen Stein des Steinbruchs von La Couronne erbaut. Der Glockenturm wurde erst im 14. Jahrhundert hinzugefügt. Bis zum Jahr 1852 wurde sie als Kathedrale genutzt und diente danach auch noch weiterhin bis in die 50er Jahre als Gemeindekirche. Durch den Bau der neuen Kathedrale wurde die alte Kathedrale, la vieille Major, zwar um zwei Joche gebracht, aber gleichzeitig wurde eine Taufkapelle freigelegt, die aus den ersten Jahren des Christentums stammt. Ihr äußerer Grundriss war rechteckig, der raffiniert ausgestattet Innenraum hingegen achteckig. Sie verfügt außerdem über eine beachtliche Größe (Seitenlänge über 25 m). Sie wurde jedoch wieder zugeschüttet und die neue Kathedrale darauf errichtet.

Die neue Kathedrale La Major (seit 1906 unter Denkmalschutz)
Marseille erlebte im 19. Jahrhundert einen enormen Aufschwung. Nicht nur im wirtschaftlichen und sozialen Bereich, sondern auch im Hinblick auf den Bevölkerungszuwachs. Es folgte eine Zeit großer städtebaulicher Projekte, während der die schönsten Bauwerke Marseilles entstanden. Louis-Napoléon Bonaparte legte am 26. September 1852 den Grundstein zur neuen Kathedrale, "La Nouvelle Major" , die am 6. Mai 1896 geweiht wurde. Die Baupläne stammten vom Architekten Léon Vaudoyer. Nach seinem Tod im Jahr 1872 übernahm der Architekt Henry Espérandieu, der bereits die Kathedrale Notre-Dame de la Garde und das Palais Longchamp gebaut hatte, die Leitung der Baustelle, bis er selber 1874 verstarb. Fertiggestellt wurde die neue Kathedrale von Henri Revoil. Der Stil der Kathedrale ist romanisch-byzantinisch, angelegt wurde sie in Form eines lateinischen Kreuzes mit einem Chorumgang. Sie ist 146 Meter lang, und die 70 Meter hohe Hauptkuppel hat einen Durchmesser von 18 Metern. Sehenswert: die Fassade mit Statuen von Jesus, den Aposteln, dem Hl. Paul und dem Hl. Petrus sowie provenzalischen Heiligen. Im Inneren: sehenswerte Statuen von Louis Botinelly und Auguste Carli, Altarüberbau aus Onyx und Altar aus mehrfarbigem Marmor von Jules Cantini.
Die Kathedrale ist Ausgangspunkt der großen Prozession zur Mariä Himmelfahrt am 15. August, bei der die Marienstatue durch das Viertel "Le Panier" getragen wird.
Auf dem Vorplatz der Kathedrale befindet sich eine Statue des Monseigneur de Belsunce, dem Bischof von Marseille während der großen Pest von 1720.
Am 3. Dezember 1995 wurde Monseigneur de Mazenod (1782 - 1861), dessen sterbliche Überreste in der großen Kapelle des Chorumgangs ruhen, von Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen.

Kirche Saint-Laurent
Die bescheidene Kirche Saint-Laurent wurde im romanisch-provenzalischen Stil erbaut und besteht aus drei, durch eckige Pfeiler begrenzten Kirchenschiffen. Man kennt nicht ihre genaue Entstehung, aber fest steht, dass sie ab den 13. Jahrhundert in Dokumenten erwähnt wird und zum Château Babon gehörte, das später zerstört wurde. Als Pfarrkirche der Fischer und Seefahrer ist sie die einzige Gemeindekirche aus dem Mittelalter, die in Marseille erhalten blieb. Durch den Bau des Forts Saint-Jean im 17. Jahrhundert wurde die Kirche eines Kirchenschiffs und ihrer Ostfassade beraubt. Noch heute gelangt man durch eine Tür in die Kirche, die in das südliche Kirchenschiff gebaut wurde. Der Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert wurde im 17. Jahrhundert umgebaut. Während der Revolution wurde die Kirche geplündert und sehr beschädigt, entging der Zerstörung jedoch dadurch, da sie bis zum Konkordat als Lager genutzt wurde. Bis 1943, dem Jahr, in dem die alten Stadtviertel zerstört wurden, zählte die Kirche zu den wichtigsten in Marseille. Seit 1950 steht sie unter Denkmalschutz.
Dank der kürzlichen Restaurierung erstrahlt die aus dem rosafarbenen Stein der Steinbrüche von La Couronne erbaute Kirche wieder in ihrer ganzen Schönheit, so dass endlich wieder Messen in ihr abgehalten werden können. An die Kirche grenzt die Anfang des 17. Jahrhunderts von den weißen Büßern (Pénitents Blancs) erbaute Kapelle Sainte-Catherine. Das spätgotische Kreuzgewölbe ist einzigartig in Marseille. In der Kapelle gibt es Interessantes zu sehen: eine Pieta der Zunft der Bootskalfater-Arbeiter, eine Marienstatue (Marie Etoile de la Mer) sowie ein Bild des Märtyrers Heiliger Lorenz.








